Tag 4 - Zu viel des Guten!

Der Kochabend mit den Mädels war offenbar zu viel für mich. Kugelrund und nahezu bewegungsunfähig bin ich kaum zum Tippen in der Lage. Der heutige Tag hat mir gezeigt: So geht das nicht weiter. Ich muss aufhören mit dieser ständigen Schlemmerei, welche nur das Resultat meiner unbändigen Neugier auf all die veganen Leckereien ist. Andernfalls geht's mir bald so RICHTIG schlecht!

 

Die Frühstückshaferflocken waren heute (im nicht-verkaterten Zustand) wieder phänomenal. Auch die Uni-Brote mit veganem Käse, welcher, wie ich erwartet hatte, auf Brot wesentlich besser war, als als Topping auf meinen gestrigen Nudeln, waren - mit Ruccola, Zwiebel und Tomate - noch super. Am Nachmittag ging es mir dann allerdings nicht mehr so gut. Magenkrämpfe, die mich buchstäblich in die Knie zwangen und ein Gefühl, bei welchem ich dachte, jeden Moment einen Kreislaufzusammenbruch zu bekommen - weniger fetzig! 

 

 Von der Uni nach Hause gekommen rollte ich mich direkt in mein Bett. Nach einigen Minuten war ich immerhin in der Lage, mich von meinen Straßenschuhen und meiner Jacke zu befreien und nach einigen weiteren Momenten schleppte ich mich in die Küche, um mir einen Kamillentee zu kochen. Eine halbe Stunde später beruhigte sich mein Magen langsam und auch mein Kreislauf machte mir die Freude, wieder zu mir zurück zu kehren. Und - zack - da war er wieder: der Appetit auf 'etwas Essbares'. So 'schlimm' scheint es im Moment zu sein. Früher hatte ich Appetit auf Schokolade oder Chips oder was-auch-immer... Seit meinem vegan-Start ist das WAS gar nicht mehr primär entscheidend - es zählt nur, DASS ich esse. Ich habe einfach Lust auf alles... und alles schmeckt so gut. Und so kam es natürlich, dass ich nach meinem Kamillentee in die Küche schlenderte und mal einen Blick in den Kühlschrank riskierte. Fiese Sache, dass mich direkt der vegane Käse anlächelte und dazu das frische Brot, welches ich tagsüber noch besorgt hatte - lange Rede, kurzer Sinn: Zwei Brote später lag ich wieder mit Magenschmerzen im Bett und ärgerte mich über mich selbst. Und der Kochabend stand ja erst noch bevor - beste Voraussetzungen!

 

Wahrscheinlich hätte ich ausnahmsweise mal auf diese 'Stimme der Vernunft' hören sollen, die ich eigentlich nur aus Erzählungen Anderer oder Bilderbüchern kenne. Sie hätte mir sicher gesagt: "Jules, du hast in den letzten Tagen wirklich übertrieben. Bleib heute mal zu Hause und trinke einfach weiter Tee. Dann geht's dir morgen wieder gut." - Nun ja, ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich natürlich doch zum Kochabend gefahren bin und mit mir zusammen mein heutiger treuer Begleiter: die Magenkrämpfe - klasse!

 

Die Stimme der Vernunft schaffte es zumindest, sich mit brachialer Gewalt so weit in mein Bewusstsein vorzuboxen, dass ich mich entschied, den Mädels heute bei Bier und Sekt keine Gesellschaft zu leisten, sondern stattdessen zu leckerem Fencheltee zu greifen. Ich steh' auf Fencheltee und heute war er eine noch viel größere Wohltat, als dies schon an 'normalen' Tagen der Fall ist.

 

Auf der Speisekarte standen die gefüllten Auberginen á la Attila Hildmann. Was soll ich sagen?... Es war einfach großartig! Die Auberginen ausgehölt und mit Öl bestrichen in den Ofen verabschiedet. In der Zwischenzeit das Auberginenfruchtfleisch zusammen mit Zwiebeln, jeder Menge Knoblauch, Paprika, Kichererbsen und getrockneten Tomaten in der Pfanne zubereitet. Viele leckere Gewürze sowie frischen Basilikum dazu gegeben und mit ein wenig Tomatenmark angereichert. Dazu kam eine ordentliche Portion hellen sowie dunklen Mandelmußes - das kannte ich vorher noch nicht. Der Knaller! Die ganze - bereits jetzt umwerfend schmeckende 'Pampe' haben wir schließlich in die Auberginen gefüllt und als Topping eine ordentliche Portion Broccoli, welcher die Ehre hatte, in einem extra Topf eine Weile ganz allein vor sich hin zu köcheln, dazu gegeben. Da man offenbar aber auch auf ein Topping noch ein Topping geben kann, stellte ein großer Klecks des hellen Mandelmußes die buchstäbliche Spitze des Festmahls dar. Wenn ich das so lese, wird mir tatsächlich schlecht!... Doch damit nicht genug. Zusätzlich gab es als Beilage frisches Baguette mit Olivenöl und wundervollem grobkörnigen Meersalz. Außerdem 'irgendein Getreide', dessen Name mir in meinem Futterwahn offenbar entfallen ist. Ich muss morgen sofort Mana fragen, was es war, denn - welch Überraschung! - auch das war einfach großartig!

 

Was mir absolut gerecht geschah: Nach dem Essen bekam ich die Quittung! Während die Mädels fröhlich und vergnügt weiterhin am Tisch saßen und sich das eine oder andere leckere Getränk genehmigten, lag ich fix und fertig auf der Couch in der Ecke. Nichts ging mehr!... Nichts...zumindest so lange, bis Mana mir von den einzigen guten veganen Gummitieren erzählte, über die sie seit Anbeginn ihres veganen Lebens gestolpert sei und welche sie sich immer aus einer anderen Stadt mitbringen lässt. Egal, wie hundeelend es mir ging, die MUSSTE ich natürlich auch noch kosten.

 

Und jetzt liege ich hier und weiß genau: Wenn ich dieses Essenspensum beibehalte, bin ich nicht nur bald das Doppelte von mir selbst, sondern werde mich wohl auch öfter so schlecht fühlen wie heute. Da das nicht passieren darf, da ich meine 30-Tage-Challenge unbedingt als eine wundervolle Erfahrung erleben will - so wundervoll, dass nach den 30 Tagen NICHT Schluss ist mit dem veganen Leben - werde ich ab morgen umdenken. Drei Mahlzeiten, statt gefühlten 30. Frühstück - Mittag - Abendessen, so machen es andere Menschen doch auch. Dann muss das bei mir doch ebenfalls funktionieren, unabhängig davon, wie viele Leckereien ich mittlerweile zusammengesammelt habe. Es MUSS einfach klappen!

 

Fazit, Tag 4: In Überdosierung ist ALLES Gift! Auch unglaublich leckeres veganes Essen! Merk dir das, Jules! "Ja, ich merk's mir!", verspreche ich mir selbst und denke wie gewohnt... Mal sehen, wie lange noch! 

 

Nachtrag: Cool, beim Stöbern im veganen Kochbuch zum morgendlichen Kaffee stolpere ich direkt über dieses 'irgendein Getreide', welches mir gestern so gut schmeckte, dessen Namen ich mir aber nicht merken konnte. Wikipedia gibt mir dankenswerterweise auch gleich noch eine short description:

Quinoa (Chenopodium quinoa, Quechua kinwa, Aussprache: ˈkinwɑ), auch Inkareis, Reismelde, Inkakorn, Reisspinat, Andenhirse oder Perureis genannt, gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae).

 

BRAUCH ICH!

17.10.14 02:07

Letzte Einträge: Tag 2 - Der Tag des Kürbis': Purer Schmerz und die absolute Glückseligkeit

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen