Tag 3 - Katertag

Oha, wie konnte das denn passieren? Als ich heute früh aufwache, stelle ich fest, dass ich die Autorität meines Weckers offenbar untergraben habe - die Uhr zeigt mir, dass ich bereits eine Stunde zuvor hätte aufstehen müssen - klasse, ich hasse Verschlafen! Meine zweite Feststellung trifft mich noch härter: Ich bin total verkatert! Ich rolle mich zur Seite - mehr ist im Moment nicht drin - und frage mich, wie es dazu kam, dass ich mich nun fühle, als hätte man mir 200 l reinen Schnaps intravenös verabreicht - die leere Flasche Schnaps, die auf meinem Boden steht, beantwortet meine Frage hinreichend.

Nach einer langen Aussprache am Vorabend, welche ich mit meiner Mitbewohnerin geführt habe, da sie derzeit in einer schwierigen Phase steckt, beschlossen wir: Pfeffi muss her! Der grüne Likör ist unser Allround-Mittel, um die schönen, wie schlimmen Dinge im Leben zu begießen. Er erfüllte gestern also offenbar einmal mehr seinen Zweck - und jetzt geht's mir schlecht, aber so richtig!

Ich bediene mich meines Zweckoptimismus' und gewinne der Situation etwas Positives ab: Auch als Veganerin muss ich nicht auf Pfeffi verzichten - nur die Dosierung sollte ich beim nächsten Mal überdenken.

Entsprechend fies ist mein heutiges Frühstückserlebnis: Den Kaffee kann ich mir halbwegs erfolgreich runterzwingen, aber an den Haferflocken mit Banane und Kiwi scheiter ich kläglich... Geschieht mir recht!

Völlig zerstört bastel ich meine Brote für den Tag, die Aufstriche sind gelungen, wie ich bei einer minimalen Kostprobe zufrieden feststelle. Die Verarbeitung der Linsen beanspruchte gestern Abend zwar noch einige Zeit, aber es hat sich gelohnt.

Auf dem Weg zur Uni, wo ich mit meinem Prof. zu einer Besprechung verabredet bin, stelle ich fest, dass mein Handy aus unerfindlichen Gründen den Geist aufgegeben hat - herrlich, der Tag wird immer besser.

Die Besprechung mit meinem Prof., für den ich zugleich arbeite, verlangt meinem Zustand Einiges ab - Ich kann mich kaum konzentrieren und mich nur unter großer Anstrengung halbwegs aufrecht auf dem Stuhl halten. Ich sage ihm ehrlich, warum ich SO aussehe - er ist amüsiert.

Er lädt mich zum Grillen für das kommende Wochenende ein, doch als ich ihm sage "Ich lebe jetzt vegan.", erübrigt sich diese Einladung und wir verabreden uns stattdessen auf ein Bier. Der Gedanke an Alkohol lässt mich enorme Übelkeit verspüren, aber ich denke mir: Bis Sonntag geht's hoffentlich wieder! - Hoffentlich!!

Meine Brote schmecken gut und ich freue mich über jeden einzelnen Aufstrich, die in Kombination mit Radieschen, Ruccola, Tomate und roter Zwiebel noch viel besser schmecken, als ohnehin schon. Ich freue mich, dass ich mittlerweile so viele Aufstriche angesammelt habe, dass ich heute und morgen nicht wieder stundenlang in der Küche stehen muss, um neue zu produzieren.

Nach einem ernüchternden Besuch bei meinem Handyanbieter, wo ein freundlicher Herr mir erklärt, er habe keine Ahnung, was mit meinem Telefon nicht stimmt - so etwas habe er noch nicht gesehen, bin ich angefressen und plane, mich - welch Überraschung - mit Essen dafür zu belohnen. Ich steuere einen Laden an, über dessen großes Sortiment an veganen Produkten ich im Internet gelesen habe und fasse den Entschluss: Heute ist ein guter Tag, mir einen der teuren veganen Käse zu gönnen. Nudeln mit Tomatensauce und darauf eine Scheibe Käse - das soll es werden. Für den Heimweg nehme ich eine Laugenbrezel mit, das Einzige, was am Supermarkt eigenen Backwarenstand den veganen Kriterien entspricht - Besser als gar nichts und sie ist lecker!

Die Zubereitung des Abendessens geht fix und das Essen schmeckt mir gut. Der Käse ist leider nicht so prickelnd, wie ich es mir gewünscht hätte - er erinnert mich stark an den Geschmack von Räuchertofu - aber ich bin glücklich, 'endlich mal wieder' Käse zu haben, denn ich wusste bereits an Tag 1 meines veganen Vorhabens, dass der Verzicht auf Käse der schlimmste für mich sein wird. Morgen teste ich ihn auf Brot und bin sicher, dass auch er mit Salat, Zwiebel und Tomate großartig wird.

Jetzt fühle ich mich vollgefressen und werde heut wohl nichts mehr runter bekommen - ist wahrscheinlich auch besser so, denke ich mir, während ich einen Blick auf meinen Bauch werfe. Dass ein veganes Leben gesünder sei, da man sich viele 'Giftstoffe' nicht mehr zuführt, weiß ich und doch grübel ich, dass gesünder ja noch lange nicht 'schlanker' bedeutet - Zwar bin ich wahrlich nicht dick, plane aber auch, dass dies so bleibt. Ich hoffe, dass mein nahezu rund-um-die-Uhr-Essbedürfnis nach einigen Tagen abebben wird, wenn meine ich-muss-ALLES-ausprobieren-Euphorie ein wenig nachlässt. Morgen wird das wohl noch nicht der Fall sein, denn abends bin ich mit Mana und anderen Freundinnen zum Kochen verabredet. Da unsere Koch-Runde aus drei Veganern, einer Vegetarierin und nur einer 'alles'-Esserin bestehen wird, ist erneutes "Uuuh, das will ich auch mal kosten. Und das. Und das. Oh ja, das auch!" bereits vorprogrammiert. Auf dem Menüplan stehen laut Mana 'gefüllte Auberginen mit allerlei Leckereien' - es wird ein Fest, aber ich bin froh, dass bis dahin noch 25 Stunden vergehen werden.

Heute gibt es nur noch Tee und das ist auch gut so, sagt mir mein Magen. Er ist froh, dass die Pfeffi-Übelkeit sich nach dem Abendessen endlich endgültig verzogen hat und sagt mir: (Ver-)Schone mich für heute Abend bitte - ich bin bedient! Ich werde auf ihn hören.

Fazit, Tag 3: Zu viel trinken geht (leider) auch vegan! Und ich bin froh, dass sich mein zeitlicher Aufwand für die Essenszubereitung in diesem Zustand in Grenzen hielt. Wäre dies heute anders gewesen, hätte ich wohl verzichtet und zum Zwieback gegriffen. Vorsatz: Weniger trinken und vllt. auch auf die eine oder andere Zwischenmahlzeit verzichten - Sonst wird das nix mit dem 'gesünderen Leben'.

15.10.14 19:58

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